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AFS-Bericht
Fünf­ter AFS-Be­richt zur La­ge und Ent­wick­lung der Fi­nanz­sta­bi­li­tät an den Bun­des­tag

Trotz Unsicherheitsfaktoren, wie die Möglichkeit eines abrupten Zinsanstiegs oder Brexit, erachtet der AFS das deutsche System für stabil. Zudem setzte sich der AFS u.a. mit der Entwicklung von Krypto-Assets oder der regulatorischen Behandlung von Staatsanleihen auseinander.

Der AFS erachtet das deutsche Finanzsystem (im Berichtszeitraum zwischen April 2017 und März 2018), trotz fortbestehender Unsicherheitsfaktoren, als stabil. Das konjunkturelle Umfeld in Deutschland ist überaus günstig, da die deutsche Volkswirtschaft weiter kräftig wächst und breit abgestützt ist. Das bereits seit Langem positive Umfeld birgt jedoch weiterhin die Gefahr, dass Marktteilnehmer Risiken, wie die Schuldentragfähigkeit, unterschätzen.

Solche negativen Entwicklungen können sich dabei im Finanzsystem verstärken, wenn viele Marktteilnehmer miteinander vernetzt oder in ähnlicher Weise makroökonomischen Risiken ausgesetzt sind. Dadurch kann die Funktionsweise des gesamten Systems und damit letztlich die realwirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigt werden. Die verschiedenen Zinsszenarien, machen vor allem Sparkassen und Kreditgenossenschaften Probleme – sie sind also hohen Zinsänderungsrisiken ausgesetzt. Zudem besteht weiterhin politische Unsicherheit durch den „Brexit“ und die US-Wirtschaftspolitik.

Die niedrigen Zinsen belasten auch die deutschen Lebensversicherer erheblich. Zwar würde ein Zinsanstieg grundsätzlich positiv auf die Solvenz der Lebensversicherer wirken, aber auch Risiken mit sich bringen. Lebensversicherer investieren deshalb stärker in Investmentfonds, auch um Puffer für künftige Verluste aufzubauen.

Der Investmentfondssektor ist in den vergangenen Jahren sowohl in Deutschland als auch global stark gewachsen. Aus Sicht des AFS kann dies aber die Gefahr negativer Liquiditätsspiralen erhöhen. Diese könnten entstehen, wenn Fonds in Reaktion auf stark zunehmende Anteilsscheinrückgaben kurzfristig in großem Umfang Vermögenswerte verkaufen müssen. Gestiegen ist auch die Bedeutung der Cyberrisiken und somit sollten diese nicht nur mikro-, sondern auch makroprudenziell betrachtet werden.

Trotz gestiegener Bedeutung stellen Krypto-Token bislang keine Gefahr für die Finanzstabilität dar. Gleiches gilt auch für den Preisauftrieb aus der Wohnimmobilienfinanzierung. Sollte es zu einer Gefährdung der Finanzstabilität kommen, kann die Aufsicht makroprudenzielle Instrumente einsetzen. Es ist aber weiterhin eine bessere Datenlage hierzu erforderlich.

Wie in vorangegangenen Berichten stellt der AFS fest, dass die regulatorische Privilegierung von Staatsschuldtiteln weiter falsche Anreize setzt. Diese Privilegien stehen einem adäquaten Umgang mit den tatsächlichen Kreditausfall- und Konzentrationsrisiken aus diesen Schuldtiteln entgegen. Sie begünstigen eine enge Abhängigkeit zwischen der Solvenz der Staaten und der Stabilität des heimischen Bankensystems. Dieser Staaten-Banken-Nexus wirkte nicht zuletzt in der Finanzkrise und der europäischen Staatsschuldenkrise verschärfend. Deshalb sollten die regulatorischen Privilegien von Staatsschuldtiteln mittel- bis langfristig abgebaut werden.