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afs-kommunikaton
Aus­schuss für Fi­nanz­sta­bi­li­tät spricht sich für zeit­na­he Rück­kehr der ma­kro­pru­den­zi­el­len Po­li­tik in den Prä­ven­ti­ons­mo­dus aus

• Mittelfristige Verwundbarkeiten bauen sich im deutschen Finanzsystem auf
• Wohnimmobilienkredite sollten umsichtig vergeben werden

Der Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) hat in seiner Dezember-Sitzung die aktuelle Risikolage für das deutsche Finanzsystem erörtert. Trotz wieder ansteigender Unsicherheiten mit Blick auf die Pandemie begünstigt das aktuelle makrofinanzielle Umfeld den Aufbau mittelfristiger Verwundbarkeiten im deutschen Finanzsystem. Der AFS stellt fest, dass sich die zyklischen Verwundbarkeiten, die bereits vor der Pandemie bestanden, weiter verstärkt haben und deutliche Hinweise auf erhöhte Finanzstabilitätsrisiken bestehen. So steigt die Kreditvergabe an inländische Unternehmen kräftig, Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen sind teilweise niedriger als vor der Pandemie und hohe Bewertungen in einigen Marktsegmenten bergen Potenzial für Rückschläge. In der Realwirtschaft ist mit einer fortgesetzten wirtschaftlichen Erholung zu rechnen, wenngleich die aktuell stark steigenden Corona-Infektionszahlen eine zuverlässige Prognose über die wirtschaftliche Entwicklung erschweren.

Der AFS kommt zu der Einschätzung, dass die makroprudenzielle Politik in den Präventionsmodus zurückkehren sollte. Der AFS und seine Mitgliedsinstitutionen werden die Entwicklung der Risikolage weiterhin sehr genau beobachten. Der AFS analysiert vor dem Hintergrund der bestehenden Unsicherheiten zur wirtschaftlichen Entwicklung, welche Instrumente zeitnah im Jahr 2022 aktiviert werden sollen, um die identifizierten Risiken am effektivsten zu adressieren.

Zu den zyklischen Verwundbarkeiten tragen auch Entwicklungen am Wohnimmobilienmarkt bei. Die Preise für Wohnimmobilien wachsen kräftig und die Wachstumsraten haben historische Höchstwerte erreicht. Überbewertungen und Verschuldung nehmen tendenziell zu. Gleichzeitig erhöhte sich die Vergabe von Wohnimmobilienkrediten kräftig. Setzt sich die Kredit- und Preisdynamik am Wohnimmobilienmarkt und die Entwicklung bei der Verschuldung von privaten Haushalten fort, besteht die Gefahr einer Verschlechterung der Schuldentragfähigkeit insbesondere bei Neukreditnehmern.

Der AFS appelliert deshalb an Banken und Versicherungsunternehmen, Wohnimmobilienkredite umsichtig zu vergeben und die derzeit beobachteten Preissteigerungen nicht in die Zukunft fortzuschreiben. Dazu gehört, dass das Verhältnis aus dem gesamten Fremdkapitalvolumen und dem Marktwert der Immobilie (LTV) konservativ behandelt werden sollte. Zudem sollte angesichts des derzeitigen Niedrigzinsumfeldes besonders auf eine solide Schuldentragfähigkeit der Kreditnehmer geachtet werden und sollten angemessen hohe Tilgungsraten vereinbart werden; auch im Hinblick auf mögliche spätere Anschlussfinanzierungen.